Unsere Chronik

Die Vereinsgeschichte des Turn- und Gesangvereins 1859 Schotten e.V.

Der Turnverein wurde am 22. Juli 1859 von einer kleinen Gruppe, vorwiegend den Holzberufen nahestehenden Männern - die „Schnitzer“ genannt - gegründet. Der Hauptinitiator Heinrich Vogelmann war als Holzbildhauer bei der Firma Grandhomme beschäftigt und die ersten Jahre auch Oberturnwart im Verein. Dabei hatten auch die Ideen von Turnvater Jahn mit den bekannten Schlagwörtern „Frisch, Fromm, Fröhlich, Frei“ ihren Weg nach Schotten gefunden, wie das Deckblatt zur ersten Beitragsliste zeigt.

Bildergalerie: Impressionen aus über 150 Jahren TGV Schotten

Der Beitrag selbst betrug monatlich 8 Kreuzer (etwa 24 Pfennig). In der Anfangszeit übte man das Turnen mit selbstgebauten Geräten (Reck und Barren) während des Sommers auf dem Bockzahl, ab 1863 auf dem neuen Platz an der Steinbrücke gegenüber der Post (Jahn-Denkmal – Bild von der Errichtung des Denkmals) und im Winter auf dem Dachboden des Schlosses sowie im „Alten Rathaussaal“ oder in den Sälen der verschiedenen Vereinslokale (Krone oder Posthäuschen) aus. Dort übte man nicht nur die reinen Turnübungen, wozu in regelmäßigen Abständen „Wanderturnlehrer“ vorbei kamen, sondern auch in den Jahren ab 1864 wegen der drohenden Kriege gegen Dänemark und Frankreich mit Holzgewehren das „Wehrexerzieren“.

Seit 1862 gab es eine Weihnachtsfeier in Verbindung mit einer Verlosung mit vielen wertvollen Preisen.

1865 wurde eine wertvoll bestickte Fahne durch Spenden angeschafft, die bis heute erhalten ist und noch den Vereinsnamen „Turngemeinde“ trägt. 1868 stellte der Turnverein die Feuerwehr von Schotten – der Begriff „Turnerspritze“ ist bis heute bei den älteren Feuerwehrleuten von Schotten ein gängiger Begriff.

Wie eine Anzeige im Intelligenzblatt von 1879 verrät, zog das Turnen damals Kreise und in den benachbarten Dörfern Betzenrod, Götzen und Rudingshain wurden Turngeräte installiert.

Der Verein beteiligte sich an vielen Turnfesten in ganz Hessen und unterhielt auch eine eigene Singabteilung. Das gesellige Leben wurde durch viele Ausflüge in die Umgebung speziell zum Alteburgkopf belebt.

Am 20.4.1888 schloss sich die „Turngemeinde“ mit dem bereits 1837 gegründeten Gesangverein zu der seltenen Kombination Turn- und Gesangverein zusammen. Dies geschah auch auf Drängen von ausgewanderten Schottenern, die in New York einen „Schottener Männerchor“ gegründet hatten. Sie stifteten 4000 Goldmark als Grundkapital zum Bau einer „Turn- und Sängerhalle“. Durch diese Spende, durch Verkauf von Aktien, Verlosungen, Theateraufführungen und Konzerte wurde das weitere Geld aufgetrieben und am 4.10.1889 konnte man die auch in der heutigen Festhalle als Kernstück erhaltene „Turnhalle“ einweihen. 

Nach der Einweihung der damals größten Versammlungshalle von Oberhessen fanden in ihr zahlreiche Veranstaltungen und Theateraufführungen zur Finanzierung statt. 

1927 wurde die Halle umgebaut und durch einen Turnsaal, Küchentrakt mit Schankraum und separatem Singsaal erweitert. 90 Jahre lang war sie im TGV-Besitz und diente den verschiedensten Zwecken - vom Turn-, Ball-, Konzertsaal, ja sogar Kriegslazarett im 1. Weltkrieg über die Schulsporthalle bis hin zur Unterbringung eines Industriebetriebes nach dem 2. Weltkrieg. 

Ab 1920 gab es neben Gesang, Turnen und einer Schauspielabteilung die Untergruppen Fechten, Schneeschuhlauf und Schwimmen. Doch lösten sich diese Abteilungen später wieder auf. Erst nach dem 2. Weltkrieg wurden weitere Abteilungen wie Tischtennis, Ski, Leichtathletik ins Leben gerufen. Der ursprünglich konservative Verein, der früher neue Mitglieder erst durch geheime Abstimmungen im Vorstand mit schwarzen und weißen Kugeln aufnahm, öffnete sich Mitte der 60er Jahre der breiten Masse. Neue Sportarten wie Volleyball, Judo, Radfahren und Basketball und weitere Kampfsportarten wie Seido Karate und Ringen suchten Anschluss an den TGV.

1984 feierte man das 125-jährige Bestehen mit einem großen Volksfest und belebte dabei den fast schon sterbenden Pfingstmarkt. Heute ist der Verein mit ca. 1.420 Mitgliedern der größte Sportverein in der Großgemeinde Schotten und hat sich durch zahlreiche sportliche Erfolge einen weit über die kommunalen Grenzen geltenden Ruf verschafft.

Seit vielen Jahren organisiert er Großveranstaltungen bis hin zu Deutschen Meisterschaften, insbesondere in den Sportarten Skilanglauf, Mountainbike, Laufsport (Straßenlauf) bis zu dem modernen Trial-Sport.

Der Verein ist eng mit der Marktstadt Schotten verknüpft, Gesellschaftsmitglied in der Schottener Tourismus GmbH und bemüht sich darüber hinaus um die Entwicklung der „Sportstadt Schotten“. Eine enge Zusammenarbeit mit den Schulen – neuerdings auch mit dem Kindergarten – ist Grundlage für eine gute Nachwuchsarbeit.

Durch die langjährigen sportlichen Erfolge im Bereich Skilanglauf – 1979 war die vom TGV trainierte Vogelsbergschule Schotten Bundessieger im Schulsportwettbewerb „Jugend trainiert für Olympia“ – wurde Schotten vom Hessischen Skiverband neben Gersfeld und Willingen als Landesstützpunkt ausgewählt und an der Vogelsbergschule eine Lehrertrainerstelle eingerichtet.

Bei den jährlichen Sportehrentagen ist der TGV sowohl auf Stadt- als auch auf Kreisebene seit Jahren der erfolgreichste Verein. Nach dem Motto „SPORT FÜR ALLE“ sorgen aber auch über 60 ÜbungsleiterInnen in den 10 Abteilungen für ein rund 3.600 Stunden umfassendes Angebot, das auch dem Breitensport ein weites Betätigungsfeld bietet. Modernes Management unter Nutzung aller technischen Möglichkeiten (neueste EDV zur Mitgliederverwaltung und Finanzbuchhaltung, eigene Lautsprecheranlagen, TGV- Skibus, Klappzelte für Events, eigener Fitnessraum sowie Kooperation mit den gewerblichen Studios) sowie ein seit Jahren eingespieltes und zur tatkräftigen Mitarbeit bereites Führungsteam lassen den nun 150 Jahre alten Verein hoffnungsvoll in die Zukunft blicken!

2009 feierte der Verein sein 150jähriges Jubiläum: